Fortschritt ohne Mehrwert – Szenen aus dem Leben

Wie jeden Monat benötige ich auch im August wieder eine Fahrkarte um mich von dem mehr oder minder zuverlässigen Verkehrsmittel Bahn zur Arbeit kutschieren zu lassen. Da ich ohnehin zufällig in der Stadt bin als mir auffällt, dass ich mich beim Aufenthalt an der Hauptwache mit meiner seit einem Tag abgelaufenen Fahrkarte am Rande der Legalität befinde, beschließe ich mir heute einen persönlichen Verkauf zu gönnen und betrete die RMV-Verkaufsstelle in der B-Ebene der Station.

Sobald ich an der Reihe bin teile ich der Dame auf der anderen Seite des Schalters mein Anliegen mit. Ich bestelle eine Monatskarte für Frankfurt. Ganztägig und ab heute. „Haben Sie ein E-Ticket?“ Ich bin einigermaßen verwirrt, „Ein was?“. Die Dame nuschelt ein „hmhm“ und tippt auf ihrer Tastatur herum. Ich bin nicht sicher, was sie da tut und wiederhole mein Anliegen noch einmal. „Mhm“. Plötzlich schaut die Dame auf und schiebt mir eine Plastikkarte über den Tresen. Immer noch verwirrt schaue ich sie fragend an, woraufhin sie zu einer Erklärung ausholt. Es handle sich um das neue E-Ticket, da könne man so viele Fahrkarten gleichzeitig drauf speichern wie man benötigt (wofür benötigt man mehr als eine Fahrkarte gleichzeitig?) und überhaupt kann man das dann einfach am Schalter verlängern lassen. Ich drehe die Karte in meinen Fingern und betrachte sie von allen Seiten. Auf meine Frage, woher ich nun weiß, wie lang die Monatskarte noch gültig ist, erhalte ich die Antwort, das könne man jederzeit am Automaten nachschauen. Klingt praktisch. Nicht.

Nun gut, ich bin ja auch sehr dafür, natürliche Ressourcen zu sparen und bevor ich jedesmal ein Stück Papier verschwende um meine Monatskarte darauf drucken zu lassen kann ich mich damit arrangieren, eine Plastikkarte aufzuladen. Ich stecke die Karte also ein und will gerade gehen, da hält mir die Dame noch zwei Zettel unter die Nase. Einen Kassenbeleg und … EINEN AUSDRUCK DES TICKETS. Mit allen Daten. Tarifgebiet, wann gekauft, von bis gültig. Begleitet werden die Zettel von den Worten „Die müssen sie auch immer dabei haben, falls die Karte mal nicht lesbar ist.“

Ich bin sprachlos. Ich trage nun also eine Plastikkarte mit mir rum, auf der mein Ticket aufgedruckt ist UND einen Beleg darüber, falls die Karte nicht mehr lesbar ist. Ich habe also nicht nur KEINEN Baum gerettet sondern muss nun auch ZWEI Dinge mit mir rumtragen. Wo genau nun mein Mehrwert liegen soll, habe ich noch nicht ganz verstehen können.

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