Die herannahende Kurve – Rise Against – The Approaching Curve – Story Songs

Ich steh total auf Lieder, die eine ganze Geschichte erzählen. Und ich stehe darauf, Geschichten zu erzählen. Was liegt da näher, als mir ein Geschichten-Erzähl-Lied zu schnappen und die Geschichte dazu wie sie sich in meinem Kopf abspielt zu erzählen?

Dieses Mal habe ich mir „The Approaching Curve“ von Rise Against ausgesucht. Ich musste feststellen, dass bei diesem Lied eine simple Übersetzung ausreichend ist, um die gesamte Story zu erzählen. Ich schwankte hin und her, ob ich es bei einer Übersetzung ganz ohne Eigeninterpretation belassen soll, hab mich dann aber doch für die (wenn auch nur wenig) interpretierte Variante entschieden, da man ja auch einfach die Lyrics lesen kann, wenn man die Originalversion kennen möchte. Sollte man auch tun, lohnt sich wirklich.

Die herannahende Kurve

Wir kamen gerade von einer Geburtstagsfeier mit Freunden, welche wir bereits mit gegenseitigem Anschweigen verbracht haben. Die Musik lief in einer beruhigenden Lautstärke, sacht klangen sanfte Keyboards und leichte Trommeln aus den Boxen, eine verführerische Begleitmusik zu unserer Fahrt durch die tiefschwarze Nacht bildend. Die Fenster fühlten sich kalt an und reflektierten damit die eisigen Stimmung, die auch im Auto herrschte. Ich starrte durch die von Salzflecken und Fingerabdrücke übersäten Fenster und sah den Spuren aus geschmolzenem Schnee zu, die reihenweise daran hinab liefen. Die Musik schwoll etwas an, blieb aber immer noch sanft, wie das weit entfernte quietschen eines Topfes heißen Wassers. Am Horizont gab langsam ein leichtes Glühen einen vagen Hinweis auf die bevorstehende Dämmerung. Das Auto raste auf einer unerträglich geraden Strecke die Straße entlang und sie hatte in den letzten zwanzig Minuten weder das Lenkrad um kaum zwei Grad bewegt, noch hatten wir gesprochen.

„Warum tust du das?“ fragte sie, ohne eine Antwort zu erwarten. Ihre Stimme durchbrach die Stille so plötzlich, das ich mich erschreckte. „Ich tue gar nichts“ sagte ich, aber ich glaubte es selbst nicht mal. Ich wusste, dass sie den Umzug meinte. In eine größere Stadt, wegen meines neuen Jobs. Im Prinzip hatte ich ihr keine große Wahl gelassen, ich hatte ihr von Anfang an klar gemacht, dass es für mich außer Frage stand, diesen Job anzunehmen. „Das ist das, was am besten ist, für mich, für dich, für uns“, oder vielleicht nur für mich, dachte ich, während sich eine Träne in ihrem Augenwinkel bildete. Die Musik strömte weiter aus den Boxen und wir verloren uns im Rhythmus. Sie senkte ihren Blick für einen Moment und schloss die Augen für einen kurzen Moment länger als normal. Dann fing sie an zu weinen. Dann fing sie an zu schreien. Dann fing auch ich an zu schreien. Schuldbekenntnisse strömten aus uns heraus, während wir keine Antworten oder Lösungen hatten, wir kannten die Fragen ja kaum.

Ihr Fahrstil wurde aggressiver. „Bring mich nicht unter die Erde, so habe ich mir mein Leben nicht vorgestellt. Bitte meine Liebe, lass mich fahren, bevor du uns beide heute Nacht umbringst. Wir waren immer so perfekt, so glücklich. Die anderen werden sich nur an unser Lächeln erinnern, denn das ist alles, was sie je gesehen haben. Wenn sie uns finden, werden die Tränen, in denen wir ertrunken sind schon lange getrocknet sein. Weil wir so perfekt waren, so glücklich.“ Sie schaute mich nicht einmal an.

Unsere mittlerweile brüchigen Stimmen wurden Teil der Musik. Das Auto raste schneller durch die Nacht. Nachdem wir unsere Stimmen gesenkt hatten, hatte der Rhythmus der Musik die Stille wieder eingenommen. Weiter vorne nahte eine Kurve heran. Sie machte keine Anstalten, zu bremsen.

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