Abschluss mit deinem Selbst – The Spill Canvas – Self-Conclusion – Story Songs

Ich steh total auf Lieder, die eine ganze Geschichte erzählen. Und ich stehe darauf, Geschichten zu erzählen. Was liegt da näher, als mir ein Geschichten-Erzähl-Lied zu schnappen und die Geschichte dazu wie sie sich in meinem Kopf abspielt zu erzählen?

Als erstes habe ich mir Self-Conclusion von den Spill Canvas vorgenommen, weil das Lied für mich perfekt repräsentiert, was ich mit „Story Song“ meine. Schon die erste Zeile („fade in, start the scene, enter beautiful girl“) klingt wie eine Regieanweisung und sorgt dafür, dass das Lied immer direkt einen Film in meinem Kopf abspielt.

Abschluss mit deinem Selbst

Lars sitzt auf der kleinen Mauer am Rande des Daches des Wolkenkratzers. Die Firmen-Weihnachtsfeier war öde wie immer und überhaupt war er nicht in Stimmung zu feiern. Der Himmel ist sternenklar, weit und breit ist keine Wolke zu sehen. Er lässt die Beine über den Rand des Hochhauses baumeln und atmet die kalte Nachtluft in tiefen Zügen ein, als plötzlich die Tür hinter ihm aufgeht. Vor dem grellen Licht des Treppenhauses wird eine Silhouette sichtbar, welche sich mit jedem Schritt, den sie macht als eine hübsche junge Frau entpuppt. Die Szene wirkt so unwirklich, dass Lars sich an einen Hollywood-Film erinnert fühlt. Aber hier, am Rande des 200 Meter hohen Wolkenkratzers, der sich wie der Rand der Welt anfühlte nimmt man die Dinge ohnehin anders wahr, das hatte er bereits festgestellt.

Das Mädchen ist offenbar überrascht, ihn hier zu sehen, vermutlich hatte sie nicht damit gerechnet, dass sich bereits jemand auf dem Dach befindet. Sie zögert kurz und geht dann entschlossen auf ihn zu. „Entschuldigen Sie, mein Herr, aber ich habe geplant, heute zu sterben. Dazu sind sie mir nun jedoch im Weg und ich wette, sie werden versuchen, mir meine Pläne auszureden.“ Trotzig schaut sie ihm direkt in die Augen. „Entschuldigen Sie, meine Dame“ erwidert Lars ihren Tonfall imitierend. „Aber haben Sie eigentlich eine Ahnung davon, was genau Sie gerade zu mir gesagt haben und, noch viel wichtiger, mit wem sie hier überhaupt sprechen?“ Für einen kurzen Moment sieht er Überraschung in ihren Augen aufflackern, welche aber sofort wieder von der trotzigen Miene überdeckt wird. „Das ist mir egal, du kennst mich ja nicht einmal.“ Jetzt kann er zusätzlich zu dem Trotz noch einen Anflug von wütendem Funkeln in ihren Augen erkennen, welche sie nun demonstrativ von ihm abgewendet und auf irgendeinen Punkt in der Ferne gerichtet hat. Er lächelt sie schüchtern an und sagt „Ich weiß, aber ich würde das sehr gerne bald ändern.“

Lars hat so eine Ahnung, was das Mädchen in dieser Nacht auf das Dach geführt hat. „Jeder denkt mal darüber nach, und wenn es nur für einen winzigen Moment ist, wie es wohl wäre, sein Leben einfach kurz und schnell zu einem Abschluss zu bringen. Der Trick dabei ist, das du es niemals in die Tat umsetzen solltes, ganz egal, wie unerträglich dein Schicksal auch sein mag.“ Das Mädchen sieht ihn überrascht an. Diesmal ist es nicht nur ein Anflug, er hat sie eiskalt erwischt. Fast schon verteidigend klingt sie, als sie sagt „Bei dir hört es sich so einfach an, am Leben zu sein. Aber wie soll ich den Tag überstehen, wenn alles in mir gestorben ist?“ Für einen kurzen Moment steht er einfach nur da und schaut sie an. Die blonden Haare fallen in Wellen auf ihre Schultern und den Mund mit den erstaunlich vollen Lippen hat sie zu einem leichten Schmollen verzogen. Doch am meisten treffen ihn die Augen, in ihnen sieht Lars unvorstellbaren Schmerz. Seine Stimme ist ganz ruhig als er antwortet. „Vertrau mir Mädchen, ich weiß, dass deine Beine flehen springen zu dürfen, aber ich mache dir ein einfaches Angebot – anstatt zu sterben, leb mit mir.“ Sie schaut ihn an, als habe er den Verstand verloren. „Bist du verrückt? Du kennst mich ja nicht einmal!“ Lars lächelt wieder. „Ich weiß, aber ich würde das sehr gerne bald ändern.“ Das Mädchen sieht ihn unentschlossen an. Sie überlegt vermutlich gerade, ob Lars vielleicht ein Triebtäter ist oder einfach nur ein Irrer, der irgendwo entflohen ist. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht auch mal hart werden würde. Und nur diese klischeehafte Motivation, eine Beziehung einzugehen würde niemals reichen.“ setzt er zu einer Erklärung an und macht einen Schritt auf sie zu. „Ich könnte die ganze Nacht hier stehen und versuchen, dich zu überzeugen, aber was würde das bringen? Mein Angebot steht und du musst dich entscheiden.“ Er zuckt mit den Achseln und schaut sie fragend an. Sie scheint sein Angebot ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Schließlich legt sie den Kopf auf die Seite, schaut ihn an und sagt „Ok, du hast gewonnen, aber ich gebe dir nur eine einzige Nacht, um mir zu beweisen, dass du besser bist als mein Fluchtversuch.“ Als Lars einen Schritt auf sie zugeht, weicht sie zurück und hebt die Hände vor sich. Offenbar ist sie noch nicht fertig. „Ich schwöre bei Gott, wenn du mir wehtust, werde ich springen. Ich werde mich von eben diesem Dach stürzen und du wirst es nicht mal kommen sehen.“ Lars geht wieder einen Schritt auf sie zu und reicht ihr seine Hand. „Beruhige dich, mein Schatz, ich weiß, was du durchmachst. Nur zehn Minuten bevor du das Dach betreten hast, wollte ich auch springen.“

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